RG Langstreckenfahrer Michael Dierkes hat sich bis zum kommenden Jahr ein besonders hohes sportliches Ziel gesetzt: Er will an der 1200 km langen Rundfahrt Paris-Brest-Paris teilnehmen, die alle vier Jahre stattfindet. Die nächste Startmöglichkeit ist 2011. Zur Qualifikation müssen zuvor jedoch bereits kürzere sog. „Brevets“ (=franz.: Abschluss, Prüfung) bewältigt werden, aufsteigend mit jeweils einer Distanz von 200, 300, 400 und 600 Kilometern. Um sich an die langen Strecken zu gewöhnen, machte sich Dierkes bereits in diesem Frühjahr auf und bewältigte alle geforderten Distanzen. In der Szene nennt man den erfolgreichen Absolventen aller zur Quali geforferten Distanzen auch „Super-Randonneur“ (Randonneur = franz.: Langstrecken-Radfahrer der große Distanzen (ab 200km) in zumeist sportlichen Tempo, mit nur geringen Pausen und möglichst autark zurücklegt).
Nach dem langen Winter war schon Anfang April der 200-km-Brevet im deutsch-niederländischen Grenzgebiet zu absolvieren. Da Dierkes diese Distanzen von zahlreichen Marathon-Teilnahmen gewohnt ist, bereitete ihm diese Teilnahme keine großen Schwierigkeiten. Auch die 300 km Strecke zwei Wochen später in derselben Region waren noch relativ problemlos für den Paderborner. Seine Fahrtzeit betrug hier 10 Stunden und 49 Minuten.
Am 29. Mai wurde es dann erstmals richtig ernst: Es stand die 400 km Strecke auf dem Programm. Das besondere bei Brevets ist, dass auf eigene Faust gefahren wird. Es gibt – anders als bei RTF Veranstaltungen – keine ausgeschilderte Strecke und keine Verpflegungsstellen. Jeder Fahrer muss die Route mit Hilfe einer Streckenbeschreibung selbst finden. Kontrollstellen gibt es unterwegs mehrere, zum Teil sind sie den Fahrern vorher unbekannt. Bei einer Fahrzeit von über 15 Stunden ist die Dunkelheit ein weiteres Problem. Beleuchtung und ggf. Unterkunft für eine kurze Ruhepause sind entsprechend einzuplanen. Entscheidet sich ein Fahrer unterwegs für ein Nickerchen, ist außerdem das gesetzte Zeitlimit zu beachten. Dierkes fuhr die 400 km Strecke im Weserbergland. Die Strecke verlief von Hessisch Oldendorf durch das Kalletal, Extertal in Richtung Warburger Land über die Sababurg bis ins Fuldatal. Dort war nach 202km der Wendepunkte erreicht und es ging an der Fulda und Weser zurück Richtung Lauenau bis zum Ausgangspunkt. Die Gesamtstrecke von 405 km und 3300 Höhenmeter absolvierte der RG Fahrer in 15 Stunden und 46 Minuten. (18,5 Std. inkl. Pausen) Die letzten 75 km der Strecke mussten in Dunkelheit gefahren werden.
Die Königsdistanz über 600 km absolvierte Dierkes nun am 19.06. wiederum im Weserbergland mit Startort in Großenwieden an der Weser. Trotz Schafskälte und Dunkelheit entschied er sich, ohne Schlafpause die Nacht durchzufahren. Das kalte Juni-Wochenende machte die Fahrt extrem schwer, immer wieder setzte Regen ein. Dierkes, der nicht mit elektronischen Navigationsgeräten sondern nur mit einem vom Organisator erstellten Streckenplan unterwegs war, kam nach 645 km in 28 Std. reiner Fahrzeit (33 Stunden Gesamtzeit) wieder am Ausgangspunkt an. Dort wurde ihm vom Organisator eine warme Mahlzeit gereicht, bevor der Paderborner sich in Richtung seines heimischen Bettes aufmachte und erst einmal der fehlenden Schlaf einer ganzen Nacht nachholte.
Um 2011 am Klassiker Paris-Brest-Paris teilzunehmen, muss Dierkes die komplette Brevet-Serie im kommenden Jahr erneut absolvieren. Nach erfolgreicher Qualifikation könnte er dann einen der begehrten Startplätze ergattern. Die 1200 km lange international besetzte Rundfahrt findet vom 21.08.2011 bis zum 25.08.2011 statt.


